Schnappschuss Nr. 46: Rettungsaktion Ndoika

In den Jahren 1997 bis 2003 haben sie mehrere „Schlacht-Camps“ zusammen erlebt:

Massai-Krieger stärken sich für vermeintliche Raubzüge, um ihre Rinderherden zu vergrößern oder um in einen Krieg zu ziehen, indem sie zusammen ein Rind schlachten und es binnen einer Woche komplett verspeisen. Heutzutage dient ein „Orpul“ freilich vor allem der Stärkung der Gesundheit und der Gemeinschaft unter Gleichaltrigen: Männer-Wellness nach Art der Massai.

Stefan verbringt also mehrmals einige Tage mitten in der Steppe, um viiiiel Fleisch zu essen und Tee aus Baumwurzeln zu trinken. 

Einer jener Massai-Freunde ist Ndoika aus Olpojosi. 

Leider verfällt er bald zusammen mit seinen Freunden vollständig dem Alkohol und ernährt sich jahrelang überwiegend von lokal gebrautem Schnaps. 

Seine drei Frauen und vielen Kinder leiden entsprechend darunter. Von den einst zahlreichen Kühen sind kaum welche übriggeblieben.

Als Stefan Ndoika nach vielen Jahren im Mai wiedersieht, ist er echt betroffen.

Ndoika an Stefans rechter Seite beim Besuch seiner Familie: Ohne Schnaps geht es nicht…

Zwei seiner Brüder sind schon vor Jahren dem Alkohol erlegen.
Als ein gleichaltriger Freund vor zwei Wochen im Vollrausch stirbt, bekommt Ndoika es mit der Angst zu tun – und er stimmt endlich Stefans Vorschlag zu, sich in ein Sober-Haus in Arusha zu begeben. 

Von dieser Drogen-Reha hatten wir schon berichtet (siehe Schnappschuss Nr. 39). 

Letzten Freitag ist es so weit: 
Ntiei, einer der Söhne, fährt den Vater auf dem Moped quer durch den Busch nach Kibaya, um dort zu übernachten und am nächsten Morgen in den Bus nach Arusha zu steigen. 

Dreimal streckt der Vater einfach die Beine runter, will partout absteigen und umdrehen, und lässt sich nur mit Mühe zum Weiterfahren überreden. 

Dann hat der Bus irgendwo im Nirgendwo eine Panne und braucht über 13 Stunden bis in die Großstadt. 

In Arusha waren Vater und Sohn nur ein einziges Mal, vor Jahren.
Wohl gemerkt: Keinen Tag seines Lebens war der 28-jährige Ntiei in einer Schule! Das war dem alkoholabhängigen Vater nicht wichtig. 

Stefan holt die beiden zu später Stunde am Busbahnhof ab und bringt Ndoika schnurstracks ins Sober-Haus. Die wissen am besten, mit dem einsetzenden Entzug umzugehen.

Ntiei ist sichtlich erleichtert und dankbar, dass wir ihn für eine Nacht bei uns aufnehmen. 
Dafür bekommt er erst noch eine kleine Einführung in die Gepflogenheiten eines „modernen Bades mit WC und Dusche“. 

Am nächsten Morgen begleitet Stefan Ndoika noch zu medizinischen Untersuchungen. Wir staunen, dass er „nur“ eine starke Magenschleimhaut-Entzündung mit mäßiger Blutarmut hat. Die Leber ist „mit ihrer Aufgabe gewachsen“, aber noch nicht zirrhotisch! 

Der jahrelange Schluckauf hört erstmals (zumindest vorübergehend?) auf, als Ndoika gleich mit den passenden Medikamenten beginnt. 

Jetzt sind wir gespannt und hoffen mit seiner Familie, dass die drei bis sechs Monate Entwöhnungstherapie ihm zu einem neuen Leben verhelfen – und er dann auch stabil bleibt. 

Hoffnung in Sicht:
Ndoika am zweiten Tag seiner Drogen-Reha