Während Deutschland unter extremer Hitze leidet, erleben wir ein Kontrastprogramm:
Wir sind für sechs Tage in der Ngorongoro Conservation Area in zwei verschiedenen Massai-Gemeinden unterwegs.
Die Menschen leben hier unter außergewöhnlichen Bedingungen. Die Regierung möchte nicht mehr, dass die Massai hier leben, und versucht sie umzusiegeln. Obwohl sich deren ursprüngliches Leben ja ganz harmonisch in das der Wildtiere fügt. Oft stehen Zebras zwischen Rindern auf der Weide.
Aber nachdem der Traum einer jeden Massaifrau acht (!) Kinder sind und die meisten mittlerweile auch überleben, nimmt die Population rasant zu. Man sieht auch Folgen von Überweidung. Viele wollen aber nicht aus ihrer uralten Heimat wegziehen in Gegenden, wo sie nicht willkommen sind mit ihren großen Viehherden.
In diesem Naturreservat darf absolut nichts angebaut werden (nicht mal Gemüse direkt am Haus), kein Motorrad und auch kein Bus ist erlaubt, und man muss viel Geld ausgeben, um mit den wenigen Privat-Fahrzeugen in die nächste Stadt Karatu zu kommen.
Bauen (selbst ein Hühnerstall) muss genehmigt werden und ist nur unter strengen Auflagen überhaupt möglich. Deshalb schaut es auch wirklich sehr ursprünglich hier aus, abgesehen von einigen gemauerten Gebäuden wie z.B. Schulen.
Die gibt es immerhin.
Außerdem: Hier auf gut 2400 Metern über dem Meer ist es in dieser Jahreszeit bitterkalt !!!
In Nainokanoka scheint die Sonne während der drei Tage unseres Aufenthaltes kein einziges Mal so richtig. Stattdessen dichter Nebel, kalter Wind, alles grau…und bisweilen ein bisschen gespenstisch.

Wie halten das nur die Kinder aus, die in der Schule sitzen mit ihrer Uniform ohne Winterkleidung und oft auch ohne Glasscheiben in den Fenstern???
Oder die Hirten bei ihren Viehherden?
Wir sind zu Gast bei einer pfiffigen Massaifrau, die zur Zeit als Bezirksrätin kandidiert. Im Lehmhaus mit Außen-Klo, das ebenso als Bad dient, sowie traditioneller Küche im Rundhausstil nebenan, haben wir wohl ihr Schlafzimmer bezogen.
Sogar Stefan schläft mit Fleecepulli und Wolldecke im Schlafsack.
Und ich bin froh um meine mitgebrachte Wärmflasche.
Aber natürlich gibt es hier nur Solarstrom. Also nix morgens rasch einen Instantkaffee kochen… sondern warten, bis irgendwann der Milchtee kommt.
Ohne Föhn entfällt dann auch das Haare waschen.
Aber wie man hier aussieht, spielt keine Rolle! Es gibt Wichtigeres.

Unsere Seminare sind unterschiedlich gut besucht. Wie die Botschaft von der Diakonie ankommt und umgesetzt werden wird, können wir wieder mal überhaupt nicht einschätzen.
In der Wellblechkirche mit „eingebautem Durchzug“ fühle mich, als unterrichteten wir in einer Kühlkammer.

Als wir am vierten Tag endlich wieder in eine wärmere Gegend kommen, leben wir regelrecht auf.
Und auf der Fahrt am berühmten Ngorongoro-Krater entlang begrüßen uns mehrere Büffel, als wollten sie mitfahren. Schöne Belohnung!
