Schnappschuss Nr. 44: Wandern, oder was?

Michael Schlötterer, Stefans Kollege aus Morogoro, kommt uns besuchen. Und, wie kann es anders sein, wir wandern. Abenteuer muss sein. 

Zwei Einheimische führen uns auf einen der Monduli-Berge. Die sehen wir von unserem Haus aus jeden Tag in der Ferne und wollen sie seit Jahren besteigen. 

Anfangs geht es sehr gut. Aber dann wird es immer schwieriger. Denn ein Waldbrand vor zwei Jahren bewirkte, dass ganz viel Gestrüpp nachgewachsen ist, teils quer über den schmalen Pfad. 

Zeitweise müssen wir unter den Ästen hindurch krabbeln, die eine Art Tunnel geformt haben und unsere Arme zerkratzen. Unzählige Kletten und Brennnesseln tragen das Ihre bei und jucken oder brennen tierisch auf unserer schweißnassen Haut.

Als ich einmal kurz stehenbleibe, werde ich prompt von sogenannten Killer-Ameisen überfallen, die in Windeseile innen an meiner Hose hoch krabbeln und mich ganz fies beißen. Sie wieder loszuwerden ist eine eigene Herausforderung. Also echt!

Das Picknick mit Leberkäs’ aus der Dose vom Gore-Metzger aus Erkheim mit deutschem Senf und selbst gebackenem Vollkornbrot versöhnt mich zunächst mit meinem Schicksal und gibt uns allen neue Kraft. Wir drei Deutschen sind richtig froh, dass unsere Massai-Begleiter die Wurst dankend ablehnen. Schweinefleisch – nicht ihr Geschmack. 

Jetzt wird es erst richtig steil und immer noch anstrengender, vor allem das Krabbeln durchs Gestrüpp. Zudem fängt es an zu regnen. Und zu donnern. Ein Gipfel ist irgendwie nicht in Sicht. 
Wir einigen uns, nur noch zu wandern, bis wir auf die andere Seite der Bergkette in die Ferne sehen können. Maximal 15 Minuten noch! Dann drehen wir um! 

Bald kann ich nicht mehr. Würde Michael nicht treu hinter mir laufen und mich immer wieder ermutigen, loben und zum Lachen bringen – ich weiß nicht, wie das ausginge…

Als ich beim Abstieg mittelgradig verzweifelt stehenbleibe, fällt es mir endlich ein: Ich habe ja eine Packung Toffifee vom Geburtstag dabei!
Nie zuvor haben die so gut geschmeckt! 

Der Weg wird durch den Regen streckenweise rutschig, so dass wir alle mal auf unserem Hosenboden landen und immer noch schmutziger werden. 

Aber Gott sei Dank hört es bald wieder auf zu regnen. Und für den letzten Abschnitt kommt sogar noch die Sonne raus! 

Im Rückblick sieht der Berg eigentlich recht harmlos aus…

Die Pfarrfrau, bei der wir unser Auto lassen konnten, wird für mich zum Engel.
Sie sieht gleich, was wir brauchen und bietet mir nicht nur eine Dusche an; kaltes Wasser aus dem Eimer in einem kleinen Schuppen, ihrem Bad. 
Sie schenkt mir eines ihrer einfachen, neuen Kleider (eine sogenannte Dira), damit ich nicht in meine total verschwitzten, juckenden Sachen zurück muss.

Jetzt bin ich glücklich und einfach nur noch dankbar, dass wir nach siebeneinhalb Stunden gut und ohne Schaden wieder unten angekommen sind. 

Geschafft! Endlich sind wir oben.

Diese Tour ist wie ein Bild für unser Leben und unsere Aufgabe hier:

  • Ohne (Gottes) Führung geht es nicht.
  • „Neues Land erobern“ hat seinen Preis: Der Weg ist oft steil und mühsam.
  • Bisweilen gibt es sogar “Störenfriede” – die man am besten schnell abschüttelt.
  • Es geht nur im Team, zusammen mit den Einheimischen.
  • Pausen und schöne Ausblicke stärken uns.
  • Wir brauchen geduldige Weggefährten, die uns Mut machen und helfen durchzuhalten.
  • Manchmal schickt Gott uns auch „Engel“.
  • Es kann sein, dass wir den Gipfel gar nicht erreichen. Aber es lohnt sich dennoch!