Im Rahmen einer Schulung für die diakonischen Evangelisten hatte Stefan sie vor einem Jahr schon einmal besucht.
Die arme Witwe Maseto lebte zusammen mit einer ihrer Töchter und deren Säugling mit im Haus der anderen Tochter, deren Mann ebenfalls verstorben ist.
Eigentlich ein Unding für die Massai, bei denen jede Frau ihre eigene Hütte hat. Aber die Not und Armut ließ ihnen wohl keine Wahl.
Heute sind wir zusammen mit Stefans Verwandten in Mudarara zunächst im Massai-Gottesdienst, etwa eineinhalb Fahrstunden von uns entfernt in der Steppe.
Nach dem Mittagessen im Gemeindebüro machen wir noch einen diakonischen Besuch.
Und Pfarrer Orkimbai und die junge Evangelistin Elisifa führen uns genau zu dieser Witwe.
Zu Stefans großem Erstaunen lebt Maseto mittlerweile in einem schönen kleinen Zwei-Raum-Haus mit Blechdach, Holztür und einem kleinen Fenster.
Es ist aus Baumstämmen gebaut und mit einer Mischung aus Lehm und Kuhdung verputzt, also ein Mittelding aus traditioneller Hütte und „modernem“ Haus.
Dicht gedrängt sitzen wir alle zusammen in ihrem Wohnzimmer und erfahren unter anderem, dass Masetos Tochter von ihrem Mann verlassen wurde.
Das jüngste ihrer drei Kinder hat offensichtlich ein Down-Syndrom, scheint sich aber inmitten der vielen Leute ganz wohl zu fühlen.
Die Kirchengemeinde hat damals beschlossen, der völlig mittellosen Witwe und ihrer sitzengelassenen Tochter zu helfen und ihnen ein eigenes Haus zu bauen:
Das geschah in mehreren Gemeinschafts-Aktionen, bei der viele praktisch halfen und auch Baumaterial beitrugen.
Die Hausgemeinde kümmerte sich um Baumstämme, Äste, Wasser und Lehm.
Aus den einmal monatlichen diakonischen Sammlungen in den Gottesdiensten wurden das Wellblech, der Dachstuhl, Tür und Zement finanziert.
Zur Einweihung haben die Gemeindeglieder ein kleines Fest organisiert und den Frauen auch noch ein paar wichtige Gegenstände zur Grundausstattung des Hauses überreicht: Eine Matratze, Töpfe, Wasserkanister, etwas Geschirr und ein paar Nahrungsmittel.
Die Diakonische Helferin der Hausgemeinde (im Bild rechts mit dem außergewöhnlichen Halsschmuck) kümmert sich außerdem immer wieder um die drei Frauen und hat den ganzen Prozess begleitet.
Wir überlegen gemeinsam, wie die beiden jungen Frauen, Masetos Töchter, selbständiger werden könnten, um nicht immer wieder sozusagen auf “Hungerhilfe“ angewiesen zu sein.
Die junge Witwe würde gerne einen kleinen Kiosk aufmachen, um Waren zu verkaufen die auch „hier in der Pampa” gebraucht werden: Salz, Zucker, Streichhölzer, vielleicht auch Speiseöl oder Vaseline für die Haut.
Da sie keine Schulbildung hat, braucht es für ein Gelingen sicher nicht nur einen Mikrokredit aus der diakonischen Kasse, sondern auch noch einiges an Anleitung und Begleitung. Aber es könnte klappen – mit vereinten Kräften aus der Gemeinde!
Das alles geschieht ohne fremde (finanzielle) Hilfe.
Wir sind stolz auf die Leute aus der Gemeinde von Mudarara, die hier so Wunderbares leisten!
So soll es sein! Das ist Kirche!
