Schnappschuss Nr. 36: Oh, ein Floh! Oder: Erstes Kinder-Treffen

„Komm morgen nach Lenjani in die Kirche! Wir haben die Waisen und die anderen armen Kinder eingeladen, wie Du es uns beigebracht hast.”, sagt Abel, der Evangelist aus unserer Nachbarschaft. Die ehrenamtlichen „Dienerinnen der Barmherzigkeit“ haben die Kinder einzeln eingeladen.

„Da bin ich ja mal gespannt…”, denke ich (Stefan). 
Denn die kleine Teil-Kirchengemeinde hier in unserem Wohngebiet gilt weithin als renitent und kompliziert. 
Mehrere unserer Anläufe, dort etwas Diakonisches zu starten, liefen bisher ins Leere, so dass ich letztes Jahr entnervt das Handtuch warf. 

Ich kaufe zur Feier des Tages 60 Muffins. Denke, das müsste gut reichen. 

So gehe ich am Samstagmorgen dorthin – und komme aus dem Staunen nicht mehr heraus: Anfangs 15, dann 30, dann 60, schließlich gut 100 Kinder aus armen und ärmsten Verhältnissen kommen in die Kirche. Man sieht es und „riecht es“ ihnen teilweise an. 

Ich sitze mitten drin und bekomme den einen oder anderen Floh ab… (wie sich erst erst zuhause herausstellt).

Abel hält eine Ansprache, dann singen wir und spielen lustige Spiele. 

Ein weiterer wichtiger Teil sind Gruppengespräche, in denen die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen die Kinder aus ihrem Dorfviertel fragen, wie es ihnen geht. 

Von Stunde zu Stunde geht es fröhlicher zu. Die Kinder tauen auf. Am Ende wird es richtig feierlich. 

Währenddessen kochen einige Frauen draußen richtig auf: Reis, Fleisch und Mais. Ein Festessen für die Kinder. 

Nun kommt noch der zuständige Pfarrer von einer Beerdigung dazu, redet und singt mit den Kindern.

Und zuletzt gibt es sogar Geschenke: Kleider, Schulhefte und Stifte.
„Manche Gemeindemitglieder sind extra in die Stadt gefahren, um gute Kleider als Spende zu kaufen”, meint Abel.

Wow, wer hätte das gedacht?!? Unsere „renitente“ Kirchengemeinde kriegt soetwas hin! 

Auch Happy ist hier, die vor Weihnachen eine Nähmaschine bekommen hat. Sie strahlt seither eine Freude aus, die man nur selten an Menschen sieht. Sie sagt zu mir: “Jetzt geht es uns viel besser. Weißt Du, das alles kommt von Gott.”

Welch ein Fest: Am Schluss gibt es sogar Geschenke!