Schnappschuss Nr. 35: Der neue Bischof

Sonntag, 11. Februar 2024. Um 6 Uhr brechen wir zur großen Lutherischen Kirche von Kimandolu auf, ein Stadtteil von Arusha.
Der Gottesdienst beginnt zwar erst um 8.30 Uhr. Aber weil als Ehrengast der tansanische Vizepräsident kommt, wird die Zufahrtsstraße frühzeitig abgesperrt. Und wer dann noch nicht drin ist, hat halt Pech. 

Der große Tag ist da:
Die Nord-Zentral-Diözese bekommt einen neuen Bischof: Dr. Godson Abel Mollel. Und auch sein Stellvertreter wird gesegnet und ins Amt eingeführt.

Für dieses wichtige Ereignis reisen doch tatsächlich sämtliche Bischöfe aus den 26 Diözesen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania an, dazu der Kenianische und sogar eine Bischöfin aus der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika.

Ein besonderes Bild, wie sie alle in vollen Bischofs-Gewändern im Chorraum der Kirche sitzen und den Gottesdienst gemeinsam gestalten.

Alles ist sehr festlich, hervorragend organisiert, und läuft auch reibungslos ab.
Die Stimmung ist feierlich und konzentriert, aber irgendwie auch fröhlich.

Ein riesiger Chor wurde eigens gegründet. Bestimmt hundert Sängerinnen und Sänger sind im Seitenschiff und auf der Empore verteilt. Wunderschön klingen die Lieder.  
Ein traditioneller Lied-Beitrag kommt auch von einem großen Massai-Chor in vollem Schmuck, der die Sicherheitsbeamten der Politiker kurz ins Schwitzen bringt, als einige junge Krieger in die Luft springen und mit ihren langen Speeren plötzlich nach vorne preschen.

Es sind über 2000 geladene Gäste aus dem In- und Ausland gekommen, einige müssen draußen in den Pavillons sitzen. Ich – heute wie alle Pfarrersfrauen in weiß gekleidet mit roten Schuhen und rotem Haarschmuck – habe großes Glück, einen bequemen Platz mit guter Sicht weit vorne zu haben. Stefan sitzt unter den fast 200 Pfarrern unserer Diözese, von denen er der einzige weiße ist. Unübersehbar…

Die packende, gehaltvolle und teilweise auch sehr humorvolle Predigt hält ein Anglikanischer Bischof.

Wir sind beide erleichtert, als Dr. Godson Abel in seiner kurzen Ansprache am Ende der langen, offiziellen Liturgie wieder erwähnt, dass die Diakonie einer der drei Grundpfeiler der kirchlichen Aufgaben ist.

Und schließlich hält Tansanias Vizepräsident Philip Mpango noch seine Rede. Er ist Katholik, zitiert mehrfach die Bibel und betont u.a. die Bedeutung des Friedens unter den Religionen.

Nach sage und schreibe sechs Stunden Gottesdienst verlassen wir die Kirche wieder. Erstaunlich, wie schnell dennoch die Zeit verging!

Jetzt gibt es Mittagessen für alle, und anschließend fahren wir noch mit vielen, vielen anderen zur Privatfeier des neuen Bischofs auf einem Schulgelände bei ihm in der Nähe.  
Zuhause sind wir erst um 21.30 Uhr, dankbar über diesen bedeutenden, guten Tag, und ordentlich müde…

Ein guter Anfang einer neuen Zeit. Wir beten, dass er den Menschen hier viel Segen bringt.