Schnappschuss Nr. 27: Mit einem blauen Auge davongekommen?

„Hodi“, ruft es an unserem Tor. Das entspricht der deutschen Türklingel, aber sowas gibt es hier nicht. 

Eine junge Frau steht da mit ihrem etwa fünfjährigen Sohn und einer kleinen Tochter im Tuch auf dem Rücken. Sie bittet um Geld oder Nahrungsmittel. 

Als ich nachfrage, erzählt sie, ihr Mann sei taubstumm, die Schwiegereltern würden nicht mehr leben, auf deren Grund sie wohnten. Sie arbeite als Tagelöhnerin. Vermutlich auf den Maisfeldern in der Umgebung. 

Aber der Regen ist schon wieder seit fünf Wochen ausgeblieben, viele junge Maispflanzen sind am Vertrocknen, es gibt gerade wenig Arbeit auf den Feldern.
Die Kühe sind mager und geben kaum Milch.

Der Junge schaut mich erstaunt und lächelnd an und fragt, ob unser Hund ihn beißen würde. „Nur, wenn du über den Zaun kletterst.“, sage ich. „Sonst ist er lieb.“

Und dann verstehe ich erst, was an ihm so besonders ist: 
Sein rechtes Auge ist BLAU, das linke wie bei den meisten Dunkelhäutigen TIEFBRAUN.  

Ja, das sei bei seinem Vater und bei seinem Opa auch so. 
Ich darf sogar ein Foto machen. 

Für das wenige Geld, das ich ihr gebe, ist die Frau sehr dankbar. 
Aber ich weiß, dass ihr das nicht wirklich hilft. 

Diese Begegnung geht mir noch lange nach.

Die junge Mutter ist sicher eine der Bedürftigen, für die wir uns wünschen, dass sie von der Kirchengemeinde hier (zu der sie sogar gehört) in das Diakonie-Konzept aufgenommen und gefördert wird.
Sie braucht Unterstützung, auch, damit die beiden Kinder nicht dauerhaft unter der Armut ihrer Eltern leiden müssen!

Der Bub sieht mir nicht aus, als ginge er in eine Schule. Tage später erfahre ich, dass er unter Epilepsie leidet. Ob er wohl in medizinischer Behandlung ist? 

Für ihn könnte die Hausgemeinde zum Beispiel den Beitrag für die Krankenversicherung übernehmen, das wären ca. 20 € pro Jahr.

Außerdem könnte man der Mutter nach guter Erkundung und Anleitung einen Mikrokredit geben, damit sie ein regelmäßiges Einkommen erwirtschaften und unabhängiger werden kann.  

Wir hoffen und beten, dass es endlich auch hier bei uns in der Lutherischen Gemeinde von Lenjani richtig mit der diakonischen Arbeit losgeht!
Letztes Jahr haben wir zwar ein Seminar für die Verantwortlichen gehalten, aber noch ist kaum etwas in Gang gekommen.
Bisher fehlte es am richtigen Leiter, der die nötigen Weichen stellt und „zieht“.