Nach meinem vierwöchigen Online-Tropenkurs bis 11. März (und 9 Tagen in Deutschland) hospitiere ich in der kleinen Lutherischen Krankenstation von Kitumbeine in der Massai-Steppe, 130 km von Arusha entfernt. Der amerikanische Arzt Steve Friberg lebt hier mit seiner Familie seit 20 Jahren, und ich darf eine Woche lang Anteil nehmen an ihrem Leben und Arbeiten.
Es ist zwar nicht immer viel los, und der medizinische Assistent Samuel (mit einer dreijährigen Ausbildung) macht seine Sache sehr gut. Aber 24/7 rundum in Rufbereitschaft zu sein erfordert doch viel Kraft und Hingabe.
Steve wirkt hier wie ein Fisch im Wasser. Er ist unglaublich geduldig und verständnisvoll mit den Massai und ihren Besonderheiten, aber ebenso klar und ehrlich.
So erfahre ich von recht häufigen Fällen starker Nebenwirkungen traditioneller Heilpflanzen, deren Dosierung je nach Pflanzenstandort völlig unterschiedlich und daher oft viel zu hoch und gefährlich kein kann. Ob solche Behandlungen erfolgt sind, ist meist schwer herauszufinden, aber sehr wichtig für das weitere Vorgehen.
An einem Abend bringt man einen etwa 13-jährigen Jungen, den wir eigentlich schon vor einigen Tagen sehen wollten. Seine ungewöhnliche Tuberkulose hatte sich nämlich durch die Unterbrechung der Tabletten-Einnahme wieder deutlich verschlechtert.
Heute hat er hohes Fieber, massive Atemnot, einen Puls von 160/Minute. Schon zwei Nächte lang habe er nicht schlafen können. Warum er wohl heute erst gebracht wird?
Mit dem kleinen tragbaren Ultraschallgerät bestätigt sich unser Verdacht, dass er „Wasser auf der im rechten Lunge“ hat.
Mutig und mit einem Stoßgebet auf den Lippen punktiert Steve bei Taschenlampen-Beleuchtung und Minimal-Ausstattung die Pleura: Gut 1,5 Liter Flüssigkeit können wir ablassen, die Lunge kann sich wieder entfalten.
Das habe er zuletzt wohl vor 20 Jahren gemacht, sagt Steve hinterher.
Manchmal muss man etwas riskieren.
Es hat sich gelohnt. Dem Jungen geht es gleich viel besser und er kann auf die 7-Betten-Station gelegt werden.
Die Behandlung, da sind wir uns einig, muss bis zur eindeutigen Besserung hier erfolgen.
Zu Hause klappt das einfach nicht – und hätte ihn beinahe das Leben gekostet.
