Wir sind dabei, möglichst viele Einrichtungen in und um Arusha persönlich kennenzulernen, die den Bedürftigen in den Gemeinden dienlich sein könnten.
Eine bessere Vernetzung soll entstehen. Es gibt da so einiges, aber nicht alle wissen davon.
Mit zwei Sozialarbeitern des Amani Centre dürfen wir heute mitlaufen, wenn sie die Straßenjungs in der Nähe des Stadiums mitten in der Stadt aufsuchen und „Beziehungen“ pflegen. Die beiden kennen die meisten Jungs mit Namen und werden von ihnen mit „Madame Naomi“ und „Brother Ismael“ angesprochen.
Weil es in der Nacht geregnet hat, scheinen einige den fehlenden Schlaf nun nachzuholen und haben sich in ihre weißen Reis-Säcke gelegt – Schlafsäcke der besonderen Art. So ein surreales und berührendes Bild (das ich lieber nicht fotografiere): Dreizehn bis achtzehnjährige Kinder liegen am Straßenrand und schlafen tief und fest inmitten von Lärm und Dreck völlig ungeschützt. Dabei sollten sie in Betten liegen im Schutz ihres Elternhauses. Und dann natürlich in die Schule gehen!
Die meisten Straßenkinder von Arusha nehmen inzwischen Drogen, meist schnüffeln sie Klebstoff. Das helfe gegen das Hungergefühl.
Ins Amani Centre dürfen sie immer kommen, um zu duschen, ihre Klamotten zu waschen und zu frühstücken. Dort wird vieles versucht, um sie in ihre Familien zurück zu bekommen. Aber das gelingt nur selten. Wer mal ein, zwei Jahre lang in dieser „Freiheit“ auf der Straße gelebt hat, kann sich kaum mehr in ein geregeltes Leben integrieren, auch wenn das Leben meist hart und unbarmherzig ist.
Was uns ermutigt ist der Besuch in der Lutherischen Kirche von Levolosi, wo wir vor einem halben Jahr ein (allerdings ziemlich zähes) Diakonie-Seminar gehalten haben für alle Verantwortlichen der Gemeinde: Hier dürfen die Straßenkinder seit Anfang Januar jeden Tag selber für sich kochen. Die Gemeinde gibt ihnen Geld zum Einkaufen, Feuerholz und die Kochutensilien. Und wenn alles wieder aufgeräumt ist, gibt es in der Kirche eine kleine Andacht.
Nicht alle Gemeindeglieder, so berichtet uns die hingegebene Evangelistin, finden das gut. Werden die klauen? So viel Tumult auf dem Kirchengrundstück? Muss das sein?
Ja, es soll sein! Denn für diese Menschen ist Jesus (auch) gekommen!
